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Kiliani-Wallfahrtswoche 2020

Ein Wallfahrtstag in Zeiten von Corona

Wie die Pandemie Kiliani in diesem Jahr prägt – Pilger vermissen vor allem die Begegnung auf dem Kiliansplatz

Würzburg (POW) Eine Kiliani-Wallfahrtswoche ohne Busse voller Pilger, ohne fröhliche Begegnungen: Damit hätte zu Jahresbeginn niemand gerechnet. Stattdessen kommen Bischof Dr. Franz Jung und Weihbischof Ulrich Boom zu den Pilgern und feiern dezentrale Wallfahrtsgottesdienste in den großen Kilianskirchen im Bistum. Auch im Kiliansdom wird Kiliani gefeiert, mit Gottesdienst, Mittagsmeditation und Abendgebet – alles streng nach den neuen Corona-Regeln. Doch was bleibt von Kiliani, wenn Hygieneregeln und Sicherheitsabstand die Wallfahrt bestimmen?

Es ist ein sehr ungewohntes Bild am Montagvormittag, 6. Juli, im Kiliansdom. Wo normalerweise Menschen dicht an dicht sitzen, wirken die Pilger heute in den langen Holzbänken ein wenig verloren. Zettel auf den Rückenlehnen markieren, wo man sich hinsetzen darf und welche Plätze frei bleiben müssen. Die meisten haben den Mund-Nasen-Schutz abgelegt. Doch als die ersten Takte des Kilianslieds auf der Orgel erklingen, singen sie so kräftig mit, als wäre mindestens die vierfache Menge anwesend. Weihbischof Boom begrüßt sie mit einem warmen Lächeln. Eigentlich verbinde man mit dem Kiliani-Fest ja ganz andere Vorstellungen, sagt der Weihbischof. „Aber wenn wir in die über 1000-jährige Geschichte des Gedenkens an die Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan schauen, dann sehen wir, dass Kiliani oft viel kleiner und bescheidener war.“ Entscheidend sei, „dass wir auf die Frankenapostel schauen und durch sie den Impuls bekommen, wie schön es ist, glauben zu können und die Frohe Botschaft im Herzen zu haben“.

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In den vergangenen Wochen und Monaten seien viele Fragen aufgeworfen worden, sagt Weihbischof Boom in seiner Predigt. „Ein kleines Virus hat unser Planen und Denken durcheinandergebracht. Es wurde uns die Begrenztheit unseres Handelns und Vermögens vor Augen geführt. Diese Krise ist noch nicht abgeschlossen, geschweige denn überstanden.“ Wichtig bei allem sei das Wissen, dass man von Gott geliebt werde. „Gottes Liebe, die er uns gezeigt hat im Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi, übersteigt all unsere Denkkategorien. All das nimmt unser Fragen nicht weg, aber das glauben zu dürfen, gibt Halt auf der Fahrt durch das Meer dieses Lebens.“ Diese Erkenntnis müsse auch in den Herzen der Frankenapostel gewesen sein, sonst hätten sie nicht Sicherheiten verlassen und sich auf Fremdes und Ungewohntes einlassen können, betont der Weihbischof.

Draußen scheint die Sonne und es weht ein leichter Wind – perfektes Wetter für eine Begegnung. Doch in diesem Jahr bleibt der Kiliansplatz bis auf einige eilig vorbeihastende Passanten leer. Sonst sei sie mit dem Bus zur Kiliani-Wallfahrt gefahren, erzählt eine Frau aus Dipbach (Dekanat Würzburg-rechts des Mains). Auch in diesem Jahr wollte sie nicht auf Kiliani verzichten. „Ich bin lieber an Ort und Stelle. Es war ein schöner Gottesdienst, obwohl er ein bisschen anders abgelaufen ist.“ Es müssten nicht immer viele Menschen sein, stimmt eine andere Frau zu. Ohnehin würden viele die Gottesdienste jetzt im Fernsehen oder Internet ansehen, weiß sie aus ihrem Bekanntenkreis. Auch den Gottesdienst mit Weihbischof Boom haben viele Menschen live im Internet angeschaut. Das mit den Begegnungen sei schon eine gute Sache, „aber es darf nicht ausarten“, erklärt jemand. In manchen Jahren sei es zu voll gewesen, und viele Leute seien vorher nicht einmal im Gottesdienst gewesen. Vermisst wird aber die Gelegenheit für ein Schwätzchen mit Weihbischof Boom oder Bischof Dr. Franz Jung.

Kurz vor der Mittagsmeditation steht die kleine Gruppe immer noch auf dem Kiliansplatz und unterhält sich. Im Dom sind nun auch viele Touristen mit Kameras unterwegs, darunter zwei Radfahrer in leuchtend roten und grünen Trikots. Als die ersten Orgelklänge ertönen, setzen sich einige spontan in eine Bank und hören zu. So sitzen hinten auf einmal ganz viele Menschen, während die Reihen nach vorne immer lichter werden. Domvikar Dr. Burkhard Rosenzweig spricht über die Frankenapostel und ihren Aufbruch nach Europa. „Sie waren einfach für die Menschen da. Sie haben ihr Herz verschenkt an Menschen, die sie nicht kannten. Sie haben sich nicht gescheut, in eine völlig andere Welt einzutauchen. Habe ich den Mut, aufzubrechen und etwas zu ändern?“, fragt er die Zuhörer. Dazu gehöre auch der Mut, mit anderen über seinen Glauben zu sprechen. „Glaube fällt nicht vom Himmel. Wir Menschen sind es, die ihn weitergeben.“ Auch nachdem der letzte Orgelton verklungen ist, bleiben einige noch sitzen. Am siebenarmigen Leuchter warten ein halbes Dutzend Menschen auf den Beginn der Domführung. Maximal zehn Teilnehmer sind derzeit erlaubt, erklärt eine Mitarbeiterin der Dombesucherpastoral.

Beim Abendgebet im Kiliansdom thematisiert Domkapitular Monsignore Dietrich Seidel das Thema „Berufung“. Knapp drei Dutzend Gläubige haben sich für das Gebet eingefunden. „Wie die Frankenapostel haben Sie sich heute Abend auf den Weg gemacht, um Christus näher zu kommen“, ruft er den Gläubigen zu. Jesus spreche die Menschen im Alltag an, damit sie sich auf seine Botschaft einlassen. Das mache die Berufung der Jünger im Markusevangelium deutlich. „Ihre bisherigen Fähigkeiten sind für die neue Aufgabe nützlich. Sie sollen Menschenfischer werden, Menschen miteinander vernetzen.“ Jesus nachzufolgen heißt nach den Worten Seidels, von diesem zu lernen, wie man Menschen für Gottes Reich gewinnt. „Jesus beruft Menschen, die bereit sind, auf den Anruf Gottes in ihrer Zeit zu reagieren – so wie einst Kilian, Kolonat und Totnan.“ Die Frohe Botschaft brauche auch heute Menschen, die sich von ihr rufen lassen. „Werden wir zu Musterschülern, im Wissen, dass Berufung eine Lebensaufgabe ist“, sagt Seidel.

sti/mh (POW)

(2820/0710; E-Mail voraus)

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