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Gottes Nähe spürbar werden lassen

Kiliani-Wallfahrtstag der Orden und der Weltmission – Weihbischof Boom: „Was Euch und uns im Glauben geschenkt ist, gilt es weiterzugeben“ – Vortrag betrachtet das Ordensleben in den Kirchen der Reformation

Würzburg (POW) Die Bedeutung der Ordensgemeinschaften und Missionare für die heutige Zeit hat Weihbischof Ulrich Boom beim Kiliani-Tag der Ordensleute und Missionare am Mittwoch, 12. Juli, betont. „Ihr seid berufen, Gottes Nähe spürbar werden zu lassen.“ Rund 250 Gläubige feierten den Pontifikalgottesdienst im Würzburger Kiliansdom mit, darunter auch 15 Missionare aus der ganzen Welt. Bereits am Vormittag hatte Bruder Dr. Franziskus Christoph Joest von der Jesus-Bruderschaft Gnadenthal im Burkardushaus einen Vortrag zum Thema „Wenn es gestattet ist – ich bin so frei. Ordensleben in den Kirchen der Reformation“ gehalten.

„Wir leben in einer Zeit gewaltiger Umbrüche in Kirche und Gesellschaft. Der G20-Gipfel in Hamburg ist nur ein Zeichen dafür, wie hilflos wir den Entwicklungen ganz nah und weltweit gegenüberstehen“, sagte Weihbischof Boom in seiner Predigt. Die Mächtigen und Verantwortlichen der Erde hätten sich mit Minimalvereinbarungen verabschiedet. Der Unmut über das Treffen werde von „diabolischen Kräften“ genutzt, um in der Gesellschaft Angst und Schrecken zu verbreiten. „Wo es so zugeht, da zieht man sich schnell zurück, verbarrikadiert sich, macht zu und dicht und begnügt sich mit einer kleinen Welt“, sagte der Weihbischof. Auch Fürstbischof Julius Echter, an dessen 400. Todestag die Diözese heuer gedenke, habe in turbulenten Zeiten gelebt. Und 100 Jahre zuvor, im Jahr 1517, habe der Thesenanschlag Martin Luthers dafür gestanden, dass die Menschen gespürt hätten: Nicht durch Äußerlichkeiten, durch Leistung und Vermögen werde Gerechtigkeit geschaffen und Frieden erhalten. „Luther und die vielen Reformatoren suchten nach einem barmherzigen Gott.“

Nachdem Echter 1573 zum Bischof gewählt worden war, habe er als eine seiner ersten Taten das von seinem Vorgänger Friedrich von Wirsberg begonnene Stundenbuch für den Klerus veröffentlicht, fuhr Weihbischof Boom fort. Im Vorwort habe er geschrieben: „Wir wissen nicht, was wir tun sollen. Nur auf dich sind unsere Augen gerichtet.“ Das sei für seine Zeit genauso wahr gewesen wie für die heutige. Nicht die Aktivitäten, das Planen und Schaffen der Menschen reformiere und erneuere, betonte der Weihbischof. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht, aber das Vertrauen in Gott, das zählt. Auf dich haben wir unsere Hoffnung gesetzt, dafür stehen wir als Männer- und Frauenorden und in der Mission weltweit.“

In der Kiliansgruft im Neumünster sei ein treffendes Bild der Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan. Sie trügen Gewänder von der Straße. In den Händen hielten sie die Zeichen der Nähe Gottes zu den Menschen – ein aufgeschlagenes Buch, einen Laib Brot und einen Krug Wein, ein Kerzenlicht. „Überall, wo wir dem Leben ohnmächtig gegenüberstehen, bringen sie das den Menschen in Gemeinschaft: Gott ist der, der tröstet, der das Leben hell macht.“ Die Welt warte auf Trost, Stärkung und Zuversicht, sagte der Weihbischof. „Was Euch und uns im Glauben geschenkt ist, gilt es weiterzugeben. Ihr tut das in Euren Ordensgemeinschaften und in der weiten Welt.“

Bereits am Vormittag hatten sich die Ordens- und Missionsleute im Burkardushaus getroffen. In seinem Vortrag „Wenn es gestattet ist – ich bin so frei“ befasste sich Bruder Dr. Franziskus Christoph Joest mit dem Thema Zölibat und dem Ordensleben in den Kirchen der Reformation. Er selbst lebe seit mehr als 40 Jahren als unverheirateter Bruder in der Jesus-Bruderschaft Gnadenthal. „Warum tut man sich das an? Kann man denn nicht in jeder Lebensform Gott dienen?“ Diese und ähnliche Fragen seien ihm oft gestellt worden. Jesus selbst habe dazu gesagt: „Wer es begreifen kann, der möge es begreifen.“ Er habe kein allgemeines Gesetz für seine Nachfolger aufgestellt. Der Apostel Paulus habe die Ehelosigkeit um Gottes Willen eine „Gabe“, ein Charisma, genannt. „Es geht nicht um irgendwelche Ideale, sondern um die konkrete Berufung durch Gott. Unter den vielen Gaben und Berufungen gibt es auch die, um des Reiches Gottes willen frei zu bleiben und ehelos zu leben“, erläuterte der Referent.

Allerdings habe es in der Geschichte auch handfeste Gründe für ein Leben im Kloster gegeben. Für unverheiratete Frauen etwa sei es eine Möglichkeit auf Bildung und Ausbildung gewesen, verbunden mit einer lohnenden Aufgabe. Doch nicht jeder habe das Klosterleben auch durchgehalten. „Unter der Hand rissen viele Missstände ein, Unzucht, Hochmut, Völlerei, jede Art von Ersatzbefriedigung zur Kompensation der Entbehrung.“ Dagegen habe Martin Luther protestiert. „Aber Luther hat das Mönchtum nicht abgeschafft, wie vielfach geglaubt wird, er hat ihm nur seine Freiheit und Freiwilligkeit wiedergeben wollen. Er wollte durchaus gelten lassen, dass jemand frei und freiwillig ehelos lebt“, erläuterte Joest. Es habe im Protestantismus immer Bewegungen gegeben, die diese Form des geistlichen Lebens wiedergewinnen wollten. So seien etwa im 19. Jahrhundert die Diakonissenhäuser entstanden, in denen Frauen nach den evangelischen Räten lebten und sich an sozialen Brennpunkten engagierten. Nicht die Lebensform sei das Besondere, betonte Joest: „Das Besondere ist Er.“

In der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um den Nachwuchsmangel bei den Ordensgemeinschaften. Eine Ordensfrau vermutete Bindungsunfähigkeit als Ursache. Sich auf Lebenszeit festzulegen, sei in der heutigen Gesellschaft undenkbar, stimmte der Referent zu. Allerdings gebe es auch demographische Gründe: „Menschen, die vor 25 Jahren nicht geboren wurden, können heute nicht in die Klöster eintreten.“ Die Berufung als solche werde es immer geben, war Joest überzeugt. „Aber das Ordensleben muss nicht unbedingt breit angelegt sein.“ Eine Ordensfrau fasste es in folgende Worte: „Je weniger wir werden, desto mehr rücken wir zusammen. Das ist ein Segen des Himmels, für den wir dankbar sind.“

sti (POW)

(2917/0768; E-Mail voraus)

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