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Wie in jedem Jahr gedenken wir im Bistum Würzburg im Juli unserer Patrone Kilian, Kolonat und Totnan, die vor über 1300 Jahren hier im Frankenland den christlichen Glauben verkündet haben.

„Die Glaubensgemeinschaft stärken und mit dem Bischof sprechen“

Zusammenfassung Kiliani-Wallfahrtswoche 2026
Wallfahrtswoche mit vielfältigem Programm – Insgesamt rund 12.700 Menschen nehmen an Wallfahrtsangeboten und Ehejubilarsgottesdiensten in der Woche davor teil

Würzburg (POW) Das Interesse an der Kiliani-Wallfahrtswoche ist ungebrochen: Rund 9500 Menschen haben an den Gottesdiensten und Veranstaltungen zwischen Sonntag, 5., und Sonntag, 12. Juli, in Würzburg teilgenommen. Am Donnerstag und Freitag vor Beginn der Wallfahrtswoche feierten zudem fast 1600 Ehepaare die Gottesdienste für Ehejubilare mit, die 2026 auf 25, 50, 60, 65 oder gar 70 Ehejahre blickten. Den Kiliani-Abschluss bildete ein großer Gottesdienst für Familien und die Weltkirche unter dem Motto „Eine Kirche in vielen Sprachen“ mit Bischof Dr. Franz Jung am Sonntag, 12. Juli. Am Ende des Gottesdiensts wurde der Schrein mit den Häuptern Kilians, Kolonats und Totnans wieder im Altar platziert.


Neben der Wallfahrt zum Grab der Frankenapostel und dem Besuch der Gottesdienste war auch in diesem Jahr die anschließende Begegnung und der Austausch untereinander und mit Vertretern des Bistums für die Gläubigen ein wichtiger Baustein. Gerlinde Wiesner aus Urspringen (Landkreis Main-Spessart) erklärte, stellvertretend für viele: „Es ist schön, einfach diese Atmosphäre zu genießen, die Glaubensgemeinschaft zu erleben und zu stärken und auch ein bisschen mit dem Bischof zu sprechen.“ Bischof Jung und seine Mitbrüder im Bischofsamt sowie weitere Mitglieder der Bistumsleitung nahmen sich stets ausgiebig Zeit, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Aufgrund der Bauarbeiten am Kilianshaus fanden die Begegnungen nach den Gottesdiensten in diesem Jahr auf dem Platz vor dem Würzburger Burkardushaus statt.


„Schön, dass alle Völker, Sprachen und Nationen heute um den Schrein unserer Bistumspatrone vereint sind. Sie kamen aus der Fremde und waren davon überzeugt, dass in Christus alle Menschen eine Familie sind“, begrüßte Bischof Jung die rund 700 großen und kleinen Gottesdienstbesucher im Gottesdienst für die muttersprachlichen Gemeinden und Familien zum Abschluss der Kiliani-Wallfahrtswoche. Aus Aschaffenburg war ein Chor aus Mitgliedern der italienischen, vietnamesischen und philippinischen Gemeinden angereist, der sich eigens für diesen Gottesdienst zusammengefunden hatte. Bischof Jung gratulierte zudem auf Italienisch der italienischen Gemeinde zu ihrem Geburtstag – sie werde heuer 60 Jahre alt, so wie er selbst.


Der Apostel Paulus gebe zum Abschluss der Kiliani-Wallfahrtswoche drei Aufträge mit, sagte Bischof Jung. Diese kreisten um die Gegensätze Finsternis und Licht, Gut und Böse, Leben und Tod. Meist lebe man in einer Art Halbdunkel – nicht ganz gut, aber auch nicht ganz schlecht. Mal sei in der Familie alles gut, dann wieder werde wegen der kleinsten Kleinigkeit gestritten. Ein Kind des Lichts zu werden gelinge nur, wenn man jeden Morgen mit dem Gebet zu Christus beginne, um den Tag in seiner Liebe und Barmherzigkeit sehen zu können. Wer zu Hause gelernt habe, zu teilen, Rücksicht zu nehmen, zu lieben und zu vergeben, der merke, wie schlimm Habgier sei oder Rücksichtslosigkeit, und dem tue es weh, wenn Menschen einander verletzen. Der Bischof ermutigte, Missstände anzusprechen und nicht mitzumachen, wenn andere ausgeschlossen werden. Nur wenn das Böse aufgedeckt werde, verliere es seine Kraft und die Welt könne zum Guten verändert werden. Gleichgültigkeit dagegen öffne dem Bösen Tür und Tor. Es gehe darum, aufzuwachen und die Welt jeden Tag ein wenig heller zu machen. Jeder Sonntag sei eine Erinnerung an die Auferstehung Christi. „Mit ihm sollen wir aufstehen und neue Menschen werden. Steh auf mit Christus, dann wird er selbst Dein und unser Licht sein.“

„Musikalisches Abendgebet“ als Einstimmung und Eröffnung mit Reliquienprozession

Bereits am Samstag, 4. Juli, dem Vorabend der offiziellen Eröffnung, setzte die Mädchenkantorei am Würzburger Dom im Neumünster einen Akzent. Mit einem musikalischen Abendgebet stimmten sich die Teilnehmenden auf die Wallfahrt ein. Neben persönlichen Glaubenszeugnissen der Chormitglieder erklangen unter anderem Lieder auf Suaheli, die der Chor als Kulturbotschafter für seine anstehende Reise im Sommer nach Tansania vorbereitet hat.


Bei der Eröffnung der Wallfahrtswoche am Sonntag, 5. Juli, begleitete Bischof Jung die traditionelle Reliquienprozession mit den Häuptern der Frankenapostel von der Pfarrkirche Sankt Burkard über die Alte Mainbrücke bis zum Kiliansdom. Daran nahmen auch Delegationen aus Irland und Schottland teil. In seiner Predigt mahnte der Bischof, dass getauft zu sein bedeute, einen persönlichen Auftrag zu haben. Er rief dazu auf, sich mutig in gesellschaftliche Debatten einzumischen und Polarisierungen entgegenzuwirken.


Weihbischof Paul Reder feierte am Montagvormittag, 6. Juli, einen bewegten Gottesdienst mit über 1000 Kommunionkindern aus dem gesamten Bistum. Passend zur biblischen Erzählung vom blinden Bartimäus ermutigte er die Kinder, „für eine heilere Welt aufzustehen“. Für Begeisterung sorgte eine gemeinsame Mitmachaktion im Dom, bei der alle Anwesenden symbolisch im Takt der Musik „ruderten“ – angelehnt an den Weg des heiligen Kilian übers Meer.


Am Montagabend stand der Pontifikalgottesdienst für Politiker und Räte auf dem Programm. Im Kiliansdom forderte Bischof Jung einen klaren Blick auf die Realität und warnte vor Nationalismus und Ideologisierung. Er appellierte an die Verantwortungsträger in Staat und Kirche, den Notschrei von Menschen am Rande der Gesellschaft zu hören und Betroffene zur Eigenverantwortung zu befähigen. Die anwesenden Landes- und Kommunalpolitiker zeigten sich von den Impulsen sowie der lebendigen Gemeinschaftsatmosphäre im Dom beeindruckt.


Am Dienstagvormittag, 7. Juli, feierte Weihbischof em. Ulrich Boom im Kiliansdom eine Messe mit Gläubigen aus der Region Aschaffenburg sowie mit Pfarrhausfrauen aus dem gesamten Bistum. Er rief dazu auf, Hoffnung und Zuversicht in die Welt zu tragen, da Gott im Vertrauen auf den Aufbruch alles zu einem guten Ende führe. Am Dienstagnachmittag zelebrierte Bischof Jung im Dom einen Gottesdienst vor Priestern, Diakonen und hauptamtlich Mitarbeitenden des Bistums und der Caritas. Er stellte fünf Quellen der Ermutigung vor – darunter Lob, Teamarbeit und das Feiern von Erfolgen – und dankte der Dienstgemeinschaft für den gemeinsamen Einsatz beim 104. Deutschen Katholikentag. Bei der ökumenischen Wort-Gottes-Feier am Dienstagabend mit Bischof Jung und dem evangelischen Dekan Dr. Wenrich Slenczka vor Einsatzkräften und Notfallseelsorgerinnen und  seelsorgern berichteten fünf Mitglieder der Blaulicht-Familie von prägenden und schweren Momenten ihrer Arbeit.


Am Gedenktag der Frankenapostel, Mittwoch, 8. Juli, betonte Weihbischof Boom beim Pontifikalamt für die Region Main-Rhön, dass, wie Kilian und Gefährten gezeigt hätten, ein Aufbruch stets Mut, Durchhaltevermögen und Vertrauen erfordere. Am selben Tag reiste Weihbischof Reder in den Landkreis Rhön-Grabfeld zum Sonderpädagogischen Förderzentrum „Irena-Sendler-Schule“ in Hohenroth. Nach einer Wort-Gottes-Feier, bei der er das Wallfahrtsmotto durch ein szenisches Spiel veranschaulichte, informierte sich der Weihbischof bei einem Rundgang über das ganzheitliche Förder- und Betreuungsangebot. Bischof Jung besuchte zeitgleich die Johannes-de-la-Salle-Berufsschule in Aschaffenburg, eine Caritas-Förderschule für junge Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf. Nach einem Gottesdienst in der Marktkirche Sankt Agatha ermutigte er die Schülerinnen und Schüler, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und ihre Chancen zu nutzen.


Beim Kiliani-Gottesdienst für Ordenschristen am Mittwochnachmittag ermutigte Bischof Jung rund 150 Ordensfrauen und -männer dazu, dem Vorbild der Frankenapostel zu folgen und die eigene Berufung durch eine „zweite Bekehrung“ neu zu beleben. Er betonte, dass dieser Schritt aus der Routine heraus zu größerer geistlicher Fruchtbarkeit führe, während das Ausweichen vor diesem Ruf das anfängliche Feuer zu löschen drohe.


Christinnen und Christen seien aufgefordert, den Glauben zu verkünden, „nicht allein mit Worten, sondern auch durch Engagement in und für die Gesellschaft und Einstehen für die christlichen Werte“, betonte Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran am Donnerstag, 9. Juli, beim Gottesdienst für Marktkaufleute und Schausteller in der Marienkapelle. Bischof Jung betonte beim Wallfahrtsgottesdienst für die Region Würzburg, Christinnen und Christen müssten sich trotz eines rauer werdenden gesellschaftlichen Klimas mutig in Debatten einmischen, da das Evangelium politisch sei und die Kraft habe, die Gesellschaft zum Besseren zu verändern.

Bei der englischsprachigen „Kiliani Lecture“ am Donnerstagabend warnte der Theologe Joshua Furnal vom Saint Patrick’s College im irischen Maynooth vor den Gefahren künstlicher Empathie und plädierte dafür, dass die Kirche als „Dritter Raum“ für echte Fürsorge aktiv werde.


Viele bunte Pilgerstäbe brachten die rund 750 Kindergartenkinder aus den Dekanaten Main-Spessart und Miltenberg zum Tag der Kindergartenkinder am Freitagmorgen, 10. Juli, mit und legten sie auf dem Weg von der Pfarrkirche Sankt Burkard zum Kiliansdom an der Statue des heiligen Kilian auf der Alten Mainbrücke ab. Bischof Jung feierte mit ihnen eine Segensfeier.


Am Freitagabend verlieh im Auftrag von Bischof Jung Weihbischof Reder 20 Frauen und zwei Männern die Missio canonica.


Alle zwei Jahre wird der Gottesdienst für Menschen im Alter, in Krankheit und mit Behinderung angeboten. Bischof Jung feierte ihn am Samstagmorgen, 11. Juli, mit rund 650 Menschen aus ganz Unterfranken. Und erlebte im Anschluss eine Überraschung: Die Malteser überreichten dem Bischof als Dankeschön für seine Unterstützung eine eigene Malteser-Einsatzjacke.


Am Samstagabend öffneten sich die Domtüren auch in diesem Jahr für eine „Nacht der Hoffnung“. Bis Mitternacht konnten die Gläubigen bei meditativen Texten, ruhiger Musik, Anbetung, Glaubensgesprächen und Stille im stimmungsvoll beleuchteten Gotteshaus sich selbst vor Gott bringen, gemeinsam den Glauben feiern und die Beziehung zu Jesus Christus vertiefen – oder einfach eine Kerze anzünden.

Glaubensfest ohne gravierende Zwischenfälle

Die 16 ehrenamtlichen Sanitätskräfte des Malteser Hilfsdiensts (MHD) betreuten während der gesamten Wallfahrtswoche und der vorgeschalteten Ehejubilarsgottesdienste die Pilgerinnen und Pilger und leisteten insgesamt 312 ehrenamtliche Stunden. Insgesamt sei die Wallfahrtszeit ruhig verlaufen. Neben Wespenstichen und zahlreichen kleineren Verletzungen sei es aufgrund der Temperaturen auch zu mehreren Kreislaufbeschwerden gekommen. In zwei Fällen sei ein Transport in eine Klinik notwendig geworden. Ein besonderer Schwerpunkt war der Gottesdienst für Menschen im Alter, in Krankheit und mit Behinderung am Samstagvormittag, bei dem die Malteser mit 100 Einsatzkräften sowie weiterer Unterstützung aus anderen Malteser-Gliederungen für den Transport, die Begleitung und Verköstigung der Pilgerinnen und Pilger verantwortlich waren. „Die Krankenwallfahrt ist für uns ein besonderer Höhepunkt. Hier geht es nicht nur um sanitätsdienstliche Absicherung, sondern vor allem um Begleitung, Aufmerksamkeit und die Möglichkeit, kranken und älteren Menschen eine unbeschwerte Teilnahme an der Wallfahrt zu ermöglichen. Dass das durch das engagierte Zusammenspiel von Maltesern, Caritas und vielen Helfenden gelingt, macht diese Veranstaltung so wertvoll“, sagte Einsatzleiterin Monika Selbach.


Kiliani-Manager Matthias Reichert bilanzierte: „Nach dem tollen 104. Deutschen Katholikentag war auch die Kiliani-Wallfahrtswoche ein Fest des Glaubens und der Begegnung.“ Das Jahresmotto „Hab Mut, steh auf!“ sei „eine Haltung, und diese Botschaft nehmen die Menschen aus der Kiliani-Woche mit“.


Informationen zur Kiliani-Wallfahrtswoche sowie zahlreiche Bildergalerien im Internet unter https://kiliani.bistum-wuerzburg.de.
 

mh/sti (POW)

(2926/0698; E-Mail voraus)

Hinweis für Redaktionen: Fotos abrufbar im Internet

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