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Wie in jedem Jahr gedenken wir im Bistum Würzburg im Juli unserer Patrone Kilian, Kolonat und Totnan, die vor über 1300 Jahren hier im Frankenland den christlichen Glauben verkündet haben.

Menschliche Nähe statt Algorithmen

Kiliani-Wallfahrtswoche 2026
Theologe Joshua Furnal warnt bei der englischsprachigen „Kiliani Lecture“ vor den Gefahren künstlicher Empathie

Würzburg (POW) Wie verändert Künstliche Intelligenz unser Beziehungsgefüge und welche Rolle spielt die Kirche in einer digitalisierten Welt? Mit diesen drängenden Fragen beschäftigte sich der Theologe Joshua Furnal, Dozent für Systematische Theologie am Saint Patrick's College im irischen Maynooth, am Donnerstag, 9. Juli, in seinem englischsprachigen Vortrag zum Thema „Hoffnung schöpfen: Katholische Identität und der Mut zur Transformation im Zeitalter künstlicher Empathie“. Am Beispiel aktueller technologischer und theologischer Debatten betrachtete er die ethischen Grenzen von KI-Begleitern im Alltag.

Als Einstieg wählte Furnal eine Fallstudie der New York Times über eine 85-jährige Witwe, die einen KI-gestützten Roboter namens „ElliQ“ gegen die Einsamkeit nutzt. Was oberflächlich wie eine Lösung wirkt, birgt laut Furnal tiefe psychologische Risiken. Unter Bezugnahme auf das aktuelle Buch „Artificial Intimacy“ der US-amerikanischen Soziologin Sherry Turkle benannte er die „Erbsünde der KI“: Chatbots, die das Ich-Pronomen verwenden und dadurch eine Tiefe vortäuschen, die sie nicht besitzen. Furnal wies gängige Argumente der Tech-Industrie – wie die Behauptung, simulierte Empathie sei „besser als nichts“ – entschieden zurück.

Gegen den technologischen Optimismus setzte Furnal die theologische Perspektive von Papst Leo XIV. aus dessen Enzyklika „Magnifica Humanitas“. Der Papst erteilt darin transhumanistischen Ideologien, die den Menschen nur als ein zu optimierendes Modell betrachten, eine klare Absage. Wahres menschliches Gedeihen zeige sich gerade in den kreatürlichen Grenzen: Die Fähigkeit zu lieben, aber auch zu leiden und zu versagen, sei der eigentliche Nährboden, auf dem die menschliche Seele reife.

Furnal schlug eine Brücke zwischen psychologischer Kritik und christlicher Vision. Er forderte die Kirche auf, als „Dritter Raum“ für echte Fürsorge aktiv zu werden. In einer Gesellschaft, die von algorithmischer Effizienz dominiert wird, müsse die Kirche einen Ort schaffen, der Präsenz über Leistung stellt. Ziel sei eine Kultur der Nächstenliebe, die die Tiefe zwischenmenschlicher Beziehungen verteidigt und verhindert, dass das Menschsein auf bloße Datenströme reduziert wird.

Die siebte „Kiliani Lecture“ war erneut eine Kooperation zwischen dem Bistum Würzburg und der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Würzburg. An der Veranstaltung nahmen rund 60 Personen teil, darunter auch eine Delegation aus der irischen Grafschaft Wicklow.

mh (POW)

(2926/0690; E-Mail voraus)

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